29.07.2016

Zu viel Insulin im Blut

Diagnose:
Hyperinsulinismus mit Insulinresistenz

Ständig zu viel Insulin im Blut führt zu Fettleibigkeit, Gefäßerkrankungen, Typ-2-Diabetes. 

Ein zu hoher Insulinspiegel kann mehrere mögliche Ursachen haben. Meistens liegt es an unserer modernen Ernährung mit zu viel Zucker, zu viel Stärke und zu viel Zucker-Fett-Kombinationen, nicht zu vergessen zuckerhaltige Getränke. 

Insulin hat mehrere Aufgaben. Eine besteht darin, Glukose in unsere Körperzellen einzuschleusen. Eine andere besteht darin, die Umwandlung von Fett in Glukose in unserer Leber, die Glukoneogenese, anzuhalten. Wenn dies geschehen ist, speichert Insulin Glykogen in der Leber. Insulin veranlasst, dass Überschüsse von Glukose und Proteine in Fett umgewandelt werden, Novo Lipogenese genannt. 

Im Grunde signalisiert Insulin unserem Organismus, einen Teil der mit der Nahrung ankommenden Energie entweder als Glykogen oder als Fett zu speichern. 

Wenn der Insulinspiegel fällt, beispielsweise nachts während wir schlafen, geschieht das Umgekehrte. Der Körper gibt einen Teil seiner gespeicherten Energie aus der Nahrung wieder frei, um die den Zellen Energie zu liefern. Alles funktioniert bestens, wenn sich Perioden von Nahrungsaufnahme und Fasten in etwa ausgleichen.

Wenn der Insulinspiegel immer erhöht ist, versucht der Körper ständig Glykogen und Fett zu speichern. Da der Glykogenspeicher schnell gefüllt ist, beginnt recht schnell die Fettspeicherung. Die Leber exportiert das Fett in Form von Triglyzeriden zusammen mit Lipoproteinen sehr geringer Dichte zu anderen Organen und in die Fettzellen, den Adipoziten.

Adipoziten sind Zellen, die auf die Fettspeicherung spezialisiert sind. Viele Fettzellen sind an und für sich nichts Schlimmes. Fettzellen sollen Fett speichern, mehr nicht, davon wird man nicht krank. Anders sieht es jedoch aus, wenn man dort Fett speichert, wo es nicht sein soll.

Dies fällt zuerst in der Leber auf; denn diese ist nicht dazu da, um Fett zu speichern. Doch wenn Hyperinsulinämie und zu viel Zucker zusammentreffen, geschieht gerade dies. Glukose wandelt sich um in Fett und der Überschuss bleibt in der Leber in Form von feinsten Tröpfchen stecken, genannt Leberverfettung. Fett in den Adipozyten ist in Ordnung, Fett in der Leber nicht. 

Fettzellen produzieren das Hormon Leptin. Dies signalisiert unserem Gehirn "wir haben genug, hör auf zu essen". Doch wenn unsere Fettzellen ständig viel Leptin produzieren, nimmt unser Gehirn diese Signale kaum noch wahr. Dies nennt sich Leptinresistenz und sie hat sich bei allen fettleibigen Menschen ausgebildet.

Die Leber gibt sich alle Mühe, nicht noch mehr zu verfetten. Doch das viele Insulin gibt sich ebenfalls alle Mühe, noch mehr Fett in die Leber zu drücken, da es nicht mehr weiß wohin mit all dem neu ankommenden Fett. Die Leber sieht jetzt keinen anderen Ausweg, als das Insulin zu ignorieren, also insulinresistent zu werden, bevor sie im Fett erstickt. 

Währenddessen pumpt die Leber fleißig Fett in Form von Triglyzeriden in die Blutbahn, um es endlich los zu werden. Der Triglyzeridspiegel steigt an, ein klassisches Symptom für das Metabolische Syndrom. Wohin mit  dem vielen Fett aus der Leber? Zuerst ab ins Blut und dann ab in die Muskeln. Das nennt sich dann Muskelverfettung. Die Bauchspeicheldrüse kriegt auch einen Teil des Fettes ab. Das nennt sich dann Pankreasverfettung. Eine verfettete Bauchspeicheldrüse produziert weniger Insulin, um den Körper vor zu viel Insulin zu schützen.

Als Resultat steigt nun der Blutzuckerspiegel auf ständig zu hohe Werte an. Es manifestieren sich die typischen Symptome von Diabetes: ständiger Durst, häufiges Urinieren, Gewichtsverlust. Ab einem bestimmten Blutzuckerspiegel verlässt Glukose den Körper mit dem Urin. Jetzt hat es unser Organismus mit zwei Übeln zu tun, mit zu viel Insulin und zu viel Glukose im Blut. 

Fettleibigkeit, Insulinresistenz, hohe Blutfettwerte, Betazellen-Dysfunktion, all dies sind Schutzmaßnahmen des Organismus gegen dasselbe Übel: HYPERINSULINÄMIE.

Was machte mein Diabetologe, als er meine Blutanalyse vor Augen hatte? Stimmt, es waren katastrophale Werte: Nüchternblutzucker 450 mg/dL und Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c 13,7%. Bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte, hatte er seinen Rezeptblock gezückt, um mir Insulin zu verschreiben. 

Dies war vor 1 1/2 Jahren. Glücklicherweise hatte ich kurz vorher das Buch "Leben ohne Brot" von Dr. Wolfgang Lutz entdeckt. Statt Insulin zu spritzen, welches in meinem Fall gegen alle Schutzmechanismen meines Organismus verstoßen hätte, habe ich meine Ernährungsweise auf strikt kohlenhydratarm und fettreich umgestellt und damit meinen Blutzucker- und Insulinspiegel wieder in den Normalbereich absenken können. 

Obwohl der Pathologe Dr. Joseph Kraft und andere Forscher schon in den 1970er Jahren eindeutig bewiesen hatten, dass Hyperinsulinämie die treibende Pathologie von Fettleibigkeit, metabolischem Syndrom, Gefäßerkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen und manifestem Typ-2-Diabetes ist, ignorieren unsere Fachärzte diesen Zusammenhang noch heute. Sie vertreiben unbekümmert den Teufel mit dem Belzebuben, statt die individuelle Stoffwechsel-Situation ihres Patienten zu analysieren. Denn es gibt sie, die Testmethode, mit welcher sich feststellen lässt, ob ein Diabetiker zuviel oder zuwenig Insulin produziert. Es ist der orale Glukose-Toleranztest mit Insulinbestimmung nach Dr. Joseph Kraft (http://zuckerkrankwasnun.blogspot.fr/2016/06/die-diagnose-von-insulinresistenz.html

Was kann ich gegen Hyperinsulinämie tun? Ganz einfach: sehr wenig Zucker und Stärke, moderat Eiweiß und viel natürliches Fett in Form von Speisen aus naturbelassenen Lebensmitteln essen. Jede Speise, in welcher Zucker und Fett kombiniert sind, links liegen lassen. Fertigprodukte sehr genau auf ihre Zusammensetzung überprüfen. Nicht mehr als drei, besser nur zwei Mahlzeiten pro Tag essen, keine Zwischenmahlzeiten. Regelmäßig einen Fastentag oder 3-4 mal jährlich eine Fastenwoche einlegen. Mich nach meinen Möglichkeiten bewegen, ohne mich abzurackern. Das Leben mit Humor und guter Laune angehen. 

Eine Insulintherapie ist ohne Frage lebenswichtig, wenn die Betazellen der Bauchspeicheldrüse ihre Insulinproduktion fast oder ganz eingestellt haben. Ein Arzt, der seinem Patienten ohne eine dezidierte Analyse der Stoffwechselsituation Insulin verschreibt, handelt fahrlässig. 

16.07.2016

Weißes Gift

Gute Gaben bring ich euch: 
Fettleber und Diabetes

Eigentlich haben wir es schon immer gewusst, Zucker macht zuckerkrank. Doch warum ist das so? Es liegt an der Zusammensetzung unseres Haushaltszuckers, welcher sich aus je einem Molekül Glukose und einem Molekül Fruktose zusammensetzt. 

Glukose hat die Molekülstruktur eines 6-eckigen Rings. Unsere Körperzellen nutzen sie als Energiequelle, unser Gehirn und unsere Muskeln sehr gern, unsere roten Blutkörperchen sind sogar darauf angewiesen. Glukose ist derart wichtig für die Energieversorgung unseres Organismus, dass die Leber sie als Glykogen speichert, bei Bedarf in Glukose rückverwandelt, bei Bedarf Eiweiß in Glukose oder Glukose in Fett umwandelt. Unser Organismus hat viele Wege, um mit Glukose umzugehen.

Fruktose hat die Molekülstruktur eines 5-eckigen Rings. Nur unsere Leberzellen können etwas mit Fruktose anfangen, alle anderen Körperzellen nicht.

Glukose hat einen hohen glykämischen Index und hebt den Blutzuckerspiegel stark an. Fruktose hat einen niedrigen glykämischen Index und hebt ihn nur wenig an. Deswegen rieten Ärzte ihren diabetischen Patienten lange Zeit, statt Haushaltszucker reine Fruktose zu verwenden. Ein fataler Irrtum; denn Fruktose ist gerade für Diabetiker reines Gift. Wie das?

Glukose in der Blutbahn ruft sofort Insulin auf den Plan, welches sie über den ganzen Körper verteilen kann. Fruktose wirkt dagegen wie ein Unterseeboot, welches heimtückisch die Leber, und nur sie allein, angreift. Denn nur sie kann mit Fruktose etwas anfangen und sie in Glukose, Laktose und Glykogen umwandeln. Doch was ist, wenn der beschränkte Glykogenspeicher der Leber, wie so häufig, randvoll ist? Dann bleibt ihr nichts anderes übrig, als aus der überzähligen Fruktose Fett zu erzeugen, welches sich in Form von feinsten Tröpfchen in ihr ablagert. Die Leber verfettet. 

Eine Fettleber reagiert weniger sensibel auf Insulin, als eine gesunde Leber, worauf die Bauchspeicheldrüse mit mehr Insulin reagiert, worauf sich die Insulinresistenz der Leber erhöht. So dreht sich der bekannte Teufelskreis von wachsender Hyperinsulinämie und Insulinresistenz mit seinen bekannten Folgen: Übergewicht, Gefäßerkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Typ-2-Diabetes. 

Welch ungeheure Sprengkraft ein hoher Zuckerkonsum entfaltet, lässt sich an der Entwicklung von Diabetes in China belegen. Noch 1980 war hier Kristallzucker eine Rarität. Mit der Öffnung zum Weltmarkt fluteten Kristallzucker und Maissirup ins Land. Coca Cola, Pepsi Cola, MacDonald, Kellogs, Mars und viele andere zogen in diesen jungfräulichen Markt ein, der ihre Produkte wie ein Schwamm aufsog. 

Mittlerweile konsumiert der chinesische Normalverbraucher genauso viel Kristallzucker und Maissirup wie sein westliches Vorbild. Das Resultat: 1980 litten weniger als 1% der Chinesen an Diabetes, 2010 waren es schon etwa 12%.


13.07.2016

Wie kann man Insulinresistenz, Fettleibigkeit und Diabetes fördern?


Dieses Foto vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigt einen 
kerngesunden, jungen NavajoDieses Volk kannte 
weder Karies, Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen 
noch Typ-2-Diabetes. 

Medizinische Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass die Hypothalamus Region unseres Gehirns den Sollwert für unser Körpergewicht steuert, ganz so wie ein Thermostat den Sollwert für die Raumtemperatur. Insulin hat hierbei eine Schlüsselfunktion: je höher der Insulinspiegel, um so höher der Sollwert. 

Entsteht Insulinresistenz in allen Körperzellen gleichzeitig und gleich ausgeprägt? Wenn ja, dürfte sie sich nicht auf den Sollwert für unser Körpergewicht auswirken. 

Die Insulinresistenzen der Leber, der Muskeln und des Gehirns entwickeln sich jedoch unterschiedlich schnell und ausgeprägt. Erhöht sich die Insulinresistenz in der Leber, bleiben die Muskeln und das Gehirn hiervon unbetroffen. Eine kohlenhydratarme, fettreiche Diät und Fastenkuren verbessern die Insulinresistenz der Leber, wirken sich jedoch nicht auf die Insulinresistenz der Muskeln oder des Gehirns aus. Bewegungsarmut mag die Insulinresistenz der Muskeln verschlechtern und Sport mag sie verbessern. Dies hat jedoch kaum Einfluss auf die Insulinresistenz der Leber oder des Gehirns. 

Auf eine erhöhte Insulinresistenz der Leber oder der Muskeln reagiert die Bauchspeicheldrüse mit mehr Insulin. Wenn ständig hohe Insulinstöße den insulinsensiblen Hypothalamus erreichen, erhöht dieser den Sollwert für unser Körpergewicht. Das können 90 kg sein, aber auch 120kg oder 160 kg oder mehr. 

Nun wird unser Metabolismus alles unternehmen, um dieses Sollgewicht zu erreichen. Er kurbelt die Fettspeicherung an, blockiert den Fettabbau, der Grundumsatz fällt, die Körpertemperatur ebenfalls, man fröstelt leicht, fühlt sich lausig und schlapp. Dafür häufen sich Heißhungerattacken auf Süßes und Fettig-Süßes wie Schokolade, Gebäck. Man nascht trotz guter Vorsätze und erwischt sich dabei, nachts den Kühlschrank zu plündern.   

Hormonausschüttungen allein verursachen keine Resistenz, da sonst unser Metabolismus kaum mehr auf Hormonsignale reagieren würde. Die Evolution hat es deswegen so eingerichtet, dass unsere Drüsen Hormone nur kurzzeitig ausschütten. Das Schlafhormon Melatonin ist tagsüber fast nicht messbar, Wachstumshormon bildet sich nachts während wir tief schlafen, Cortisol vor dem Aufwachen, Thyroxin kurz nach dem Aufwachen.

Für die Ausbildung von Insulinresistenz kommt es sowohl auf die Zusammensetzung unserer Nahrung als auch auf den Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme an. So wie es für die Insulinantwort nicht gleich ist, ob wir 500 Kalorien in Form von Gummibärchen oder Olivenöl zu uns nehmen, so ist es nicht gleich, ob wir 6 mal täglich oder 2 mal täglich essen. 

Wenn wir den Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft folgen, sollen Diabetiker 3 Hauptmahlzeiten und 3 Zwischenmahlzeiten täglich zu sich nehmen, davon 50-60% in Form von Kohlenhydraten, 20% als Protein und 20-30% in Form von Fett. Daraus ergibt sich eine Insulin-Verlaufskurve vom Typ (1) der Grafik.

Wenn wir den Empfehlungen der schwedischen LCHF Ernährungsschule folgen, sollen Diabetiker möglichst nur 2 Hauptmahlzeiten und keine Zwischenmahlzeiten täglich zu sich nehmen, davon 80% in Form von Fett, 18% in Form von Protein und 2% in Form von Kohlenhydraten. Dann ergibt sich eine Insulin-Verlaufskurve vom Typ (2) der Grafik.



Bei der von der Schulmedizin empfohlenen Ernährungsweise (Kurve 1) bleibt der Insulinspiegel fast immer sehr hoch. Damit ist der Weg für wachsende Insulinresistenz, für wachsendes Übergewicht und für einen manifesten Diabetes vorgezeichnet. Ganz davon abgesehen, dass ein ständig hoher Insulinspiegel alle Blutgefäße schädigt und wichtige Hormone unterdrückt.

Bei der ketogenen LCHF-Ernährung (Kurve 2) bleibt der Insulinspiegel gleichmäßig niedrig. Damit ist der Weg zu einer besseren Insulinsensibilität, zu einem schlanken  Körper und zu normalen, ausgeglichenen Blutzuckerwerten vorgezeichnet. Das Zusammenspiel vieler Hormone verbessert sich. Der Blutdruck und Blut-Fettwerte normalisieren sich. Es verstärkt sich das Immunsystem. 

Dauerhaft zu viel Insulin in der Blutbahn führt zu Insulinresistenz, zu Übergewicht, zu Gefäßerkrankungen und zu manifestem Typ-2-Diabetes. Es gibt kein Medikament, welches Hyperinsulinismus gepaart mit Insulinresistenz dauerhaft reduziert. So bleibt als einzig nachhaltige Therapie eine Ernährung, welche den Insulinspiegel niedrig hält und den Körper mit allen Nährstoffen versorgt. Dies kann nur eine Ernährungsweise aus naturbelassenen Lebensmitteln mit viel natürlichem Fett, moderat Eiweiß und wenig Zucker und Stärke sein. Eine solche Kost hält lange Zeit satt, bevor sich Hunger einstellt. Lange Pausen zwischen den Mahlzeiten stellen sich ganz nebenbei ein und entlasten die Bauchspeicheldrüse.

Bei einem schon seit Jahrzehnten schwer gestörten Glukose-Stoffwechsel können zusätzliches Intervallfasten oder längere Fastenkuren notwendig sein, um Hyperinsulinismus und Insulinresistenz spürbar zu verbessern. Diabetische Blutzuckerwerte normalisieren sich in aller Regel allein durch die LCHF-Kost in relativ kurzer Zeit. 




07.07.2016

Insulinresistenz - was tun?

Insulinkristalle

Eine überschießende Insulinantwort auf Glukose ist der Ausgangspunkt für eine Krankheitsentwicklung, welche bei kohlenhydratreicher Ernährung von Insulinresistenz zu kardio-vaskulären Erkrankungen zu Übergewicht und zu manifestem Diabetes führt. 

Bis etwa 1960 aß man in Deutschland Süßspeisen nur sonntags und an Feiertagen. Fertiggerichte gab es noch nicht, die Hausfrau kochte selbst und sie sparte nicht an Fett, weil dies den Speisen Geschmack verlieh und satt machte. Die Bauchspeicheldrüse musste nur gelegentlich mit einer großen Flut an Glukose fertig werden. Keine guten Voraussetzungen, damit sich Insulinresistenz entwickelt. Zuckerkrank waren weniger als 2% der Deutschen.

Dies ist heute ganz anders. Aß man damals dreimal täglich an einem gedeckten Tisch und nicht zwischen den Mahlzeiten, so knabbert man heute ständig zwischendurch Kleinigkeiten mit viel Zucker, raffinierter Stärke und Zucker-Fett-Kombinationen. 

Zum Frühstück gibt es ein Fertigmüsli mit Fruchtjoghurt oder Brötchen mit Butter und Konfitüre. Viele Frauen arbeiten außer Haus, die Regale der Supermärkte sind gespickt mit zucker- und stärkereichen, zucker-fettreichen Fertigspeisen. Sie scheinen preiswert, sind schnell zubereitet, schmecken gut, weswegen man sich ihrer gern bedient. All dies sind Speisen, welche eine starke Insulinantwort der Bauchspeicheldrüse auslösen. Ideale Voraussetzungen für einen ständig hohen Insulinspiegel und für die Ausbildung von Insulinresistenz. Zuckerkrank sind jetzt über 10% der Deutschen.

In den USA, dem Vorreiter für diese mittlerweile globale Ernährungsweise, haben mehr als 60% der über 40-Jährigen eine deutliche Insulinresistenz entwickelt. Die Situation in Deutschland ist wahrscheinlich ähnlich. Eine epidemische Ausbreitung von Gefäß- und Herz-Kreislauferkrankungen, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes sind die Folge. Was tun?


Zuckerkristalle

Nur eine bewusste Umstellung auf eine Ernährungsweise, welche den gestörten Glukosestoffwechsel wieder in Ordnung bringt, kann den Krankheitsprozess aufhalten und umkehren. Dies ist eine Kost aus echten Lebensmitteln, so wie die Natur sie für uns macht und keine Produkte, die in den Laboren und Marketingabteilungen der Nahrungsmittelkonzerne ausgeheckt werden und uns zum Vielessen anregen. Dies sind besonders zucker-fettreiche Speisen.

Unsere artgerechte Kost besteht hauptsächlich aus natürlichen Fetten, moderaten Mengen an Protein und wenig Kohlenhydraten. Unsere moderne Standardkost entspricht nicht den Bedürfnissen des menschlichen Stoffwechsels und macht viele von uns chronisch krank. 

Zu vermeiden 

Zucker in allen Varianten, besonders Zucker-Fett-Kombinationen, Süßigkeiten, Schokolade, Schokoladeriegel, Nutella, Fertigmüsli, Gebäck, Kuchen, Eis, Limonade, Sportgetränke, Obstsäfte, Sirup, Honig, Süßstoffe.

Weißbrot und Vollkornbrot, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Chips, Soja, Mais. Alle Getreidesorten, Hülsenfrüchte, Wurzelgemüse und Cornflakes enthalten sehr viel Stärke.

Alle industriell gefertigten Fette, wie Margarine, Diestelöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl enthalten viele Omega-6 Fettsäuren, welche Entzündungen fördern.

Bier ist flüssiges Brot und enthält viel Malzzucker.

Obst, Beerenfrüchte ausgenommen, enthält viel Fruchtzucker, welcher sehr schnell zu Insulinresistenz und Leberverfettung führt.

Fast alle Fertigprodukte und Halbfabrikate enthalten viel Zucker und unnatürliche, gesundheitsschädliche Zusatzstoffe.


Vorzugsweise

Eier von freilaufenden Hühnern, besonders das Eigelb.

Natürliche Fette wie Butter von Weidetieren, Schweine- und Gänseschmalz, kaltgepresstes Olivenöl, Kokosöl.

Fettes Fleisch und Innereien von artgerecht ernährten Tieren, Wurstwaren ohne Zusätze. Geflügel einschließlich der Haut. Selbstgemachte Knochenbrühe.

Wildfische und Schalentiere aller Art, vorzugsweise fette Fische wie Lachs, Hering, Sardinen, Makrelen. 

Gemüse und Salate, die über der Erde wachsen, wie Blumenkohl, Brokkoli, Weißkohl, Rosenkohl, Pilze, Spinat, Auberginen, Avocado, Salat, Gurken, Oliven, Zucchini.

Ungesüßte Getränke, wie Wasser, Tee und Kaffee.


In Maßen

Alle fetten Käsesorten, Sahne, Crème fraîche, Joghurt mit 10% Fettgehalt, Sahnequark mit 40% Fettgehalt. Essen Sie keine fettarmen Milchprodukte, sie enthalten viel Milchzucker.

Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren.

Mandeln, Brasilnüsse, Paranüsse, Walnüsse, Haselnüsse.

Wenig trockener Wein oder klarer Schnaps, keine süßen alkoholischen Getränke.



Im Internet finden sich viele Rezepte für diese Kost, LCHF genannt, beispielsweise bei www.lchf-deutschland.de 

Dies ist eine schmackhafte und sättigende Kost. Wichtig ist es, den größten Teil der Kalorien in Form von Fett zu sich zu nehmen, z.B. Gemüse in Butter geschwenkt, Salate mit viel Olivenöl, mageres Fleisch und Fisch mit einer fetten Soße. Vermeiden Sie zu viel Eiweiß, besonders Milcheiweiß. Es führt zu hohen Insulinspitzen und es wandelt die Leber den Überschuss in Zucker um.

Eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung sättigt für lange Zeit, sie versorgt uns mit allen Nährstoffen, welche unser Körper braucht. Die typische Berg- und Talfahrt von Insulin und Blutzucker und daraus resultierende Heißhungerattacken, wie bei der kohlenhydratreichen, fettarmen "gesunden Mischkost", gibt es bei LCHF nicht mehr. Die Körperzellen holen jetzt vorzugsweise Energie aus Fett statt Zucker.

Nach einer gewissen Zeit verzichten viele, welche sich auf diese Weise ernähren, auf das Frühstück, da sie morgens noch keinen Appetit haben, und essen nur noch mittags und am frühen Abend. Dies ist kein Nachteil, da während langer Pausen zwischen den Mahlzeiten der basale Insulinspiegel auf ein niedriges Niveau sinken kann.

Starkes Übergewicht ist immer mit einem ständig hohen Insulinspiegel verbunden, weil dieser die Fettverbrennung blockiert. Deswegen führt Intervallfasten, zum Beispiel jeden zweiten Tag nur eine Mahlzeit täglich, zu guten Erfolgen. Bei älteren, schon seit vielen Jahren stark übergewichtigen Diabetikern reicht dies nicht immer aus. Bei ihnen gelingt es erst nach längeren Fastenkuren, den basalen Insulinspiegel so abzusenken, dass sich alte Fettreserven abbauen können. 

Selbstverständlich verbessert körperliche Bewegung die Insulinresistenz der Muskelzellen, doch kommt sie gegen eine zucker- und stärkereiche, fettarme Ernährung mit täglich 3 Haupt- und 3 Zwischenmahlzeiten, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung propagiert, kaum an. 

Krafttraining verbessert nachweislich die Insulinresistenz des Muskelgewebes und ist jüngeren Menschen zu empfehlen. Ältere Diabetiker sollten sich mit Freude nach ihren Möglichkeiten bewegen. Nicht zu vergessen, ein ausgeglichenes, heiteres Wesen und ein guter Schlaf verbessern nachweislich die Insulinresistenz.

03.07.2016

Insulinresistenz - wenig beachtet und mit tödlichen Folgen

Eine überschießende Insulinantwort (Hyperinsulinämie) auf in die Blutbahn eintretende Glukose löst bei unserer zucker- und stärkereichen Standardernährung eine Krankheitsentwicklung aus, welche von Insulinresistenz über vaskuläre Erkrankungen zu Übergewicht und chronisch erhöhten Blutzuckerwerten führt.

Die Kausalkette in der Ausbildung einer Vielzahl von Gefäßerkrankungen durch einen zu hohen Insulinspiegel (Insulinresistenz) sollte spätestens seit Ende der 1970er Jahre allen Ärzten bekannt sein. Doch dies ist keineswegs der Fall.  





Dr. Robert W. Stout, Professor für geriatrische Medizin an der Queens University in Belfast hatte als erster den Zusammenhang von hohem Insulinspiegel und Atherosklerose festgestellt. In einer Veröffentlichung schrieb er 1977: "die arterielle Wand ist ein insulinsensibles Gewebe. Tierexperimente haben gezeigt, dass Blutgefäße, welche ständig hohen Konzentrationen von Insulin ausgesetzt sind, fettgefüllte Läsionen entwickeln, welche einer frühen Atherosklerose ähnlich sind. Insulin hat die Eigenschaft, Änderungen in der Arterienwand zu unterstützen, welche langfristig zu Atherosklerose führen." In einer weiteren Veröffentlichung: "Gefäßerkrankungen gehören zu den häufigsten und schwerwiegendsten chronischen Komplikationen von Insulinresistenz. Insulinresistente Diabetiker haben ein großes Risiko für Erkrankungen der großen Arterien, besonders denjenigen, welche das Myocardium (Herzmuskel), das Gehirn, die unteren Extremitäten, die Kapillaren der Retina und den Glomerulus (kleine Gefäß- und Nervenknäuel der Nieren) versorgen. Diese machen den großen Anteil der klinischen Fälle aus." An anderer Stelle schreibt er: "es gibt wenige Hinweise, dass Atherosklerose direkt von Hyperglykämie verursacht wird. Der allgemein geringe Zusammenhang zwischen einem erhöhten Blutzuckerspiegel und vaskulären Erkrankungen deutet darauf hin, dass hier ein anderer Faktor wirkt. Es wurde festgestellt, dass Insulin das Zellwachstum des weichen Muskels und die Fettsynthese in der Arterienwand stimuliert."


Atherosklerose

So der Stand der Wissenschaft Ende der 1970er Jahre. In den 1990er Jahren belegten Forschungsergebnisse, dass Hyperinsulinismus-Insulinresistenz Funktionsstörungen des Endotheliums auslöst. Das Endothelium ist die mikroskopisch dünne, dem Blut zugewandte Zellmembran aller großen, kleinen und sehr kleinen Blutgefäße. Das Endothelium regelt insbesonders den freien Blutfluss, den Gefäßtonus und die Gefäßpermeabilität. 

Dr. Joseph R. Kraft aus Chicago stellte anhand von mehr als 3000 Obduktionen vor 1995 fest, dass ein ständig erhöhter Insulinspiegel (Insulinresistenz) überall im Organismus das Endothelium schädigt und Gefäßerkrankungen auslöst, lange bevor diabetische Blutzuckerwerte auftreten.  

Diese und andere Forschungsergebnisse hätten schon vor spätestens 20 Jahren zu einem Paradigmenwechsel in der Diabetestherapie führen müssen. Die negativen Auswirkungen einer zu hohen Insulinkonzentration im Blut hätten als ebenso wichtig, wie diejenige von erhöhtem Blutzucker in der Pathologie von Diabetes betrachtet werden müssen. Dies geschieht bis heute nicht, weswegen die meisten Endokrinologen den von Dr. Kraft entwickelten Glukosetoleranztest mit Insulinbestimmung entweder nicht kennen oder nicht für wichtig erachten. 

So treibt unsere Schulmedizin weiterhin den Teufel Hyperglykämie mit dem Belzebub Hyperinsulinismus aus und schafft es, selbst Typ-1-Diabetikern zu Insulinresistenz, Übergewicht und schwerwiegenden Gefäßerkrankungen zu verhelfen. Was soll man dazu sagen?

So ist es wohl am besten, seine Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen, dort wo man sie am wirkungsvollsten beeinflussen kann. Dies ist eine Ernährung, welche den Insulin- und Blutzuckerspiegel dauerhaft niedrig hält und ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Keinesfalls ist dies die kohlenhydratreiche, fettarme "gesunde Mischkost" mit 3 Haupt- und 3 Zwischenmahlzeiten täglich, welche die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Deutsche Diabetes Gesellschaft propagieren. 

Gesund hält uns eine vollwertige Kost mit maximal 3 Mahlzeiten täglich aus naturbelassenen, nährstoffreichen Lebensmitteln, mit möglichst wenig Zucker und Stärke (und diese nur in Verbindung mit ihren natürlichen Ballaststoffen), moderat Eiweiß und viel natürlichem Fett. Eine fettreiche Kost mit reichlich ballaststoffreichen Gemüsen, Salaten und Kräutern ist schmackhaft, sättigend und sorgt für einen niedrigen Insulin- und Blutzuckerspiegel. Hierfür ist der menschliche Metabolismus gemacht. 

Es ist richtig, dass der Verzicht auf Süßspeisen, Schokolade, Konfitüre, Limonaden, Fruchtsäfte, Bier, Likör, Kuchen und Gebäck, Frühstücksflocken, Pizza, Pommes Frittes, Pasta, Brot und Brötchen heftige Entzugserscheinungen auslösen kann. Glücklicherweise gibt es andere Freuden im Leben, welche wir kultivieren können, ohne unsere Gesundheit zu ruinieren.

26.06.2016

Insulin - wofür eigentlich?


Wozu braucht unser Körper eigentlich Insulin? - Dumme Frage, natürlich um den Blutzucker zu senken. Doch ist dies wirklich die Hauptsache? Die wichtigste Aufgabe von Insulin besteht darin, Energie zu speichern und wieder freizusetzen. Ohne diese Fähigkeit hätte die Menschheit nicht überlebt; denn all unsere Vorfahren mussten Hungerzeiten überstehen.

Das Verdauungssystem spaltet schon die nicht-süßen, komplexen Zuckermoleküle (Stärke) in Glukose auf, welche dann in die Blutbahn diffundiert. Die Bauchspeicheldrüse produziert daraufhin Insulin, welches einen Teil der Glukose zum sofortigen Verbrauch in die Zellen leitet und den Rest als Glykogen in der Leber und im Muskelgewebe speichert.

Unser Körper kann nur wenig Glykogen bevorraten, gerade einmal genug für einen Tag. Wenn der Glykogenspeicher gefüllt ist, der Blutzuckerspiegel steigt, wandeln die Leber Zucker in Fett um und transportiert es mit Hilfe von Insulin in die Fettzellen.

Insulin gehört zu den ersten Hormonen, welche in der Evolution der lebenden Organismen entstanden. Viele Hormone folgten später. Dies erklärt, dass Insulin eine Art Leithormon ist und eine Insulin-Stoffwechselstörung andere Hormonstörungen auslöst. Deswegen ist ein gesunder Insulin-Stoffwechsel so wichtig für eine gute Gesundheit. 

Eine der häufigsten und in ihren Auswirkungen stark unterschätzte Hormonstörung ist Hyperinsulinämie gepaart mit Insulinresistenz. Dies ist eine zu starke Insulinantwort auf Glukose und die Resistenz der Zellen gegenüber Insulin, welche Glukose in sie einschleusen will. Jede Zelle des Körpers wird mit jedem einzelnen Kontakt mit Insulin ein wenig resistenter. So ist Insulinresistenz Teil des natürlichen Alterungsprozesses und bei alten Menschen normal.

Gar nicht normal ist, dass immer mehr Jugendliche, Kinder, ja sogar Kleinkinder, eine starke Insulinresistenz und Hyperinsulinämie ausbilden. Dies liegt nicht an genetischen Veränderungen, auch nicht daran, dass die junge Generation auf der faulen Haut liegt und sich der Völlerei hingibt. Es liegt einzig und allein an einer viel zu zucker- und stärkereichen Ernährung, für welche fehlende Aufklärung und Unwissen der Eltern und das Überangebot an zuckerhaltigen Getränken und Fertigspeisen verantwortlich sind. 

Wenn eine werdende Mutter hauptsächlich zucker- und stärkereiche Speisen isst, sie schon Insulinresistenz entwickelt hat und deswegen ihr Insulinspiegel dauerhaft erhöht ist, entwickelt sich schon im ungeborenen Kind Insulinresistenz. So geht die Veranlagung zu Hyperinsulinämie-Insulinresistenz auf die nächste Generation über, ohne einen genetischen Ursprung zu haben. Diese Kinder haben ein sehr hohes Geburtsgewicht, neigen dann ihr Leben lang zu Übergewicht, kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes. Sogar noch schlimmer, wenn das ungeborene Kind ein Mädchen ist, bilden schon ihre Eier Insulinresistenz aus und es gibt die werdende Mutter die Veranlagung zu dieser Stoffwechselstörung an die Enkelgeneration weiter.

Insulin speichert nicht nur Zucker und transportiert nicht nur Fett, es bildet auch Muskelmasse und speichert Protein. Weniger bekannt ist, dass Insulin auch Magnesium speichert. Doch wenn unsere Zellen insulinresistent geworden sind, können sie Magnesium kaum mehr bevorraten und wir scheiden es mit dem Urin aus. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, der Blutdruck steigt. Hyperinsulinismus hält viel Kochsalz und Flüssigkeiten zurück, was den Blutdruck und das Risiko für Herzinsuffizienz erhöht.

Ein hoher Insulinspiegel ist ein sehr starker Stimulator des sympathischen Nervensystems. Welche Auswirkungen hat dies auf unser Herz? Jedenfalls keine guten. Eine solide medizinische Studie hat gezeigt, dass ein Herzinfarkt 2 bis 3 mal häufiger nach einem stark zucker- und stärkehaltigen Mahl auftritt und nicht nach einem fettreichen. Verständlich, da die gewaltige Insulinspitze nach dem kohlenhydratreichen Festmahl sofort den Sympathikus triggert, dadurch Krämpfe in den Arterien auslöst oder sie zusammenzieht. Nicht ohne Grund weiß der Volksmund: "es ist nichts schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen." Was zumindest in unserer Gesellschaft viele süße Speisen vermischt mit viel Fett heißt. Schon die Leckereien in der Adventszeit sind eine wahre Zucker-Fettorgie und Ostern eine Milchschokoladen-Orgie.

Unsere Zellen bilden Insulinresistenz aus, um sich vor den schädlichen Folgen von zu viel Insulin zu schützen. Sie schließen ganz einfach ihre Pforten. Tuen wir nicht genau dasselbe, wenn dauernder Straßenlärm gegen unsere Wohnung anbrandet? Türen und Fenster zu, ist die erste Reaktion. Genau so agieren unsere Zellen, wenn zu viel Insulin gegen sie anbrandet. Sie reagieren dabei wie Menschen: die Einen sofort, andere später und noch andere nie. Das Endothelium, die innere Auskleidung aller großen, kleinen und sehr kleinen Blutgefäße reagiert nie, weswegen ein ständig hoher Insulinspiegel großen Schaden in allen Blutgefäßen im gesamten Organismus anrichtet. Hyperinsulinismus ist deswegen die Ursache aller kardiovaskulären Erkrankungen.

Was passiert, wenn meine Bauchspeicheldrüse besonders tüchtig Insulin produziert? Meine Zellen werden immer resistenter, die einen schneller, die anderen langsamer. Meine Fettzellen eher langsamer, weswegen ich prächtig zunehme, bis ich kugelrund bin. Mein Blutzucker bleibt dank des hohen Insulinspiegels im Normalbereich. Doch irgendwann einmal schafft die Bauchspeicheldrüse nicht mehr, den immer größeren Insulinbedarf zu decken. Jetzt steigt der Blutzucker an, Typ-2-Diabetes manifestiert sich. 

Wäre es nicht besser, meine Bauchspeicheldrüse hätte schon früher die Überproduktion eingeschränkt? Dann hätte sich der Diabetes früher manifestiert, als ich noch rank und schlank war. Und tatsächlich geschieht dies bei etwa 40% der Typ-2-Diabetiker. Ja, vielleicht wäre es tatsächlich besser, vorausgesetzt man reagiert in dieser Situation richtig und stellt seine Ernährung radikal auf eine strikt zucker- und stärkearme  Kost um. Wir Menschen sind nicht auf Zucker aus der Nahrung angewiesen; denn eine gesunde Leber produziert die genau richtige Menge an Glukose aus den Fettreserven.

Unser Körper benötigt Eiweiß aus der Nahrung, doch nur 50-80 Gramm pro Tag, wenn wir nicht gerade körperliche Schwerstarbeit verrichten. Alles was darüber hinausgeht, wandelt die Leber in Zucker um.

Fett ist unsere beste Nahrungsquelle. Es erhöht den Insulinspiegel kaum und ist der ideale Energielieferant. Am liebsten verbrennt unser Körper Fette, die unseren eigenen ähnlich sind. Das sind Fette von artgerecht ernährten Tieren. Zum Beispiel Butter aus Rohmilch von Weidekühen, Fett von Weiderindern und Schafen, Schweine-, Enten- und Gänseschmalz, Eigelb von Freilandhühnern, fetter Wildfisch, Fischöl, Lebertran. Auch tropische Pflanzenfette, wie kaltgepresstes Kokosöl und Palmkernöl, tuen uns gut, ebenfalls das Öl in Nüssen und in Avocados, nicht zu vergessen kaltgepresstes Olivenöl und in kleineren Mengen frisch gepresstes Leinsamenöl. Industriell hergestellte, denaturierte Pflanzenöle und -fette, wozu auch Margarine gehört, sind dagegen Gift für unseren Organismus.

Kohlenhydrate tun uns gut, wenn ein großer Teil von ihnen Ballaststoffe sind. Dies gilt generell für über der Erde wachsende Gemüse, Salate und Kräuter, welche mit reichlich natürlichem Öl oder Fett angerichtet, lange sättigen und gut schmecken. Dagegen enthalten Wurzelgemüse, beispielsweise Kartoffeln, zu viel Stärke. Es heißt, dass Vollkornbrot viele Ballaststoffe enthalte und Diabetiker es deswegen unbedenklich verzehren können. Dies ist ein Irrtum. Industriell hergestelltes Vollkornbrot erhöht den Blutzucker- und Insulinspiegel fast genauso stark wie Weißbrot, weil die heutigen Mehle derart fein gemahlen sind, dass ihre schnelle Verdauung den Blutzucker- und Insulinspiegel sofort in schwindelerregende Höhen jagt.  

Insulinresistenz entsteht dann, wenn sich ständig viel Insulin im Blut befindet. Wenn wir dafür sorgen, dass nicht andauernd Insulin ausgeschüttet wird, indem wir lange Pausen zwischen den Mahlzeiten einhalten, verbessert sich unsere Insulinsensibilität. Maximal drei, besser nur zwei wohlschmeckende Mahlzeiten täglich, welche wir an einem gedeckten Tisch und in Ruhe zu uns nehmen, verbessern den Diabetes schon sehr deutlich. 

Intermittierendes Fasten, beispielsweise alle zwei oder drei Tage ein Fastentag, oder von Zeit zu Zeit eine Fastenkur von einer Woche oder länger können Wunder wirken.

Hält man sich an diese Maßnahmen, bestehen gute Chancen, dass ein tiefgreifender Gesundungsprozeß einsetzt. Vormals vom vielen Insulin unterdrückte Hormone entfalten wieder ihre gute Wirkung. Nicht selten baut sich Übergewicht ganz nebenbei ab.

Mit der Gesundung kommen Lebenskraft und Lebensfreude zurück, mit ihnen die Freude an Bewegung und bei etwas Glück auch andere Freuden. Der Mensch ist wieder Mensch und kein Patient. 



  

03.06.2016

Frühdiagnose von Insulinresistenz


Dr. Joseph R. Kraft:

"diejenigen unter uns mit einer Herz-Kreislauferkrankung,
welche nicht als Diabetiker identifiziert wurden…
wurden ganz einfach nicht diagnostiziert"

"Alle Veröffentlichungen, die Hyperinsulinämie nicht als
Ursache für Herz-Kreislauferkrankungen identifizieren,
sind unvollständig."


Es ist eine alte Tradition, dass die Schulmedizin ihre Paradigmen sehr ungern in Frage stellt. So erstaunt es nicht, dass die Vertreter der offiziellen Diabetesgesellschaften die Forschungsergebnisse des Pathologen Dr. Joseph Kraft wenig beachten, der schon 1975 eine Testmethode vorstellte, welche Diabetes im frühen Entwicklungsstadium diagnostiziert.

Für den bekannten Glukose-Toleranztest misst man seit 1921 die Konzentration des Blutzuckers vor und nach Einnahme einer bestimmten Menge flüssiger Glukose. Dr. Kraft erweiterte 1972 diesen Test, indem er vor und 1/2-1-2-3-4-5 Stunden nach Einnahme von 100 g flüssiger Glukose die Konzentration von Glukose und Insulin im Blut misst. In 14.384 Testreihen, welche er von 1972-1998 im St. Joseph Hospital in Chicago durchgeführt hatte, zeigten sich fünf typische Insulin-Verlaufsmuster.





Verlaufsmuster 1: die Insulinantwort startet von einem Nüchtern-Insulinspiegel von weniger als 10 Mikroeinheiten/mL und erreicht ihren Höhepunkt von ca. 60 Mikroeinheiten/mL etwa 1/2-1 Stunde nach Einnahme der Glukose, um danach wieder auf das niedrige Grundniveau zu sinken. Beispiel für eine gesunde Insulinantwort bei fast immer normalen Blutzuckerwerten. 

Verlaufsmuster 2: die Insulinantwort startet von einem Nüchtern-Insulinspiegel von etwas über 10 Mikroeinheiten/mL und erreicht ihren Höhepunkt von ca. 120 Mikroeinheiten/mL später als 1 Stunde nach Einnahme der Glukose, um wieder auf das Grundniveau zu sinken. Beispiel für Hyperinsulinämie mit Insulinresistenz bei zumeist normalen Blutzuckerwerten.

Verlaufsmuster 3: die Insulinantwort startet von einem Nüchtern-Insulinspiegel von etwas über 10 Mikroeinheiten/mL und erreicht ihren Höhepunkt von ca. 130 Mikroeinheiten/mL später als 2 Stunden nach Einnahme der Glukose, um wieder auf das Grundniveau zu sinken. Beispiel für Hyperinsulinämie mit Insulinresistenz bei zumeist diabetischen Blutzuckerwerten.  

Verlaufsmuster 4: die Insulinantwort startet von einem hohen Nüchtern-Insulinspiegel von ca. 60 Mikroeinheiten/mL und erreicht ihren Höhepunkt von ca. 180 Mikroeinheiten/mL später als 2 Stunden nach Einnahme der Glukose, um wieder auf das überhöhte Grundniveau zu sinken. Beispiel für ausgeprägte Hyperinsulinämie mit Insulinresistenz bei zumeist diabetischen Blutzuckerwerten.

Verlaufsmuster 5 (gestrichelt): die Insulinantwort startet von einem niedrigen Nüchterninsulinspiegel von 5 Mikroeinheiten/mL und erreicht ihren Höhepunkt von ca. 15 Mikroeinheiten 1 Stunde nach Einnahme der Glukose. Beispiel für Insulinmangel. Zumeist manifester Typ-1-Diabetes.



Grafik 1 zeigt Durchschnittswerte des Insulinverlaufs von fast 15.000 Glukose-Toleranztests, welche Dr. Kraft und seine Mitarbeiter durchgeführt hatten. Innerhalb der einzelnen Muster gibt es mehr oder weniger ausgeprägt hohe Insulinspitzen. 

Grafik 2  zeigt typische Blutzuckerverläufe nach dem Glukose-Toleranztest. 

Das schockierende Ergebnis der fast 15.000 Testreihen von Dr. Kraft und seinen Mitarbeitern: weniger als 25% der getesteten Personen mit normalem Nüchtern-Blutzucker von weniger als 100 mg/dL und normalem Blutzuckerverlauf des Glukose-Toleranztests (Grafik 2) zeigten eine gesunde Insulinantwort entsprechend dem Verlaufsmuster 1 von Grafik 1. Mit der Messung des Blutzuckerverlaufs allein -wie auch heute noch allgemein üblich- wären 75% der Testpersonen als stoffwechselgesund diagnostiziert worden, welche es eindeutig nicht sind. 

Dr. Kraft konnte belegen, dass Hyperinsulinämie mit Insulinresistenz die treibende Pathologie von Typ-2-Diabetes ist. Schon eine späte und erhöhte Insulinantwort auf den oralen Glukose-Toleranztest bedeutet selbst bei normalen Blutzuckerwerten, dass sich Insulinresistenz im Organismus eingenistet hat. Diesen Zustand nannte er "Diabetes in situ" oder "versteckter Diabetes". 

Zwischen dem Beginn der Krankheitsentwicklung und einem manifesten Typ-2-Diabetes vergehen oft Jahrzehnte, in welchen die Werte von Nüchtern-Blutzucker, Langzeit-Blutzucker und der orale Glukose-Toleranztest keine Auffälligkeiten zeigen und die getestete Person als stoffwechselgesund gilt. Ein fataler Irrtum. 

Anhand der Ergebnisse von mehr als 3000 Obduktionen konnte Dr. Kraft belegen, dass ein ständig erhöhter Insulinspiegel schon bei normalen Blutzuckerwerten das Endothel aller Blutgefäße des Organismus schädigt. Das Endothel ist die innerste Schicht aller großen, kleinen und kleinsten Blutgefäße. Diabetes äußert sich deswegen lange vor dem Auftreten von erhöhten Blutzuckerwerten als vaskuläre Pathologie. 

Resultat: chronisch entzündete Blutgefäße, Herzinfarkt, Schlaganfall, Atherosklerose, Bluthochdruck, Nervenschädigungen, Durchblutungsstörungen, Erektionsstörungen, nicht-heilende Wunden an Füßen und Beinen, Amputationen, Augenerkrankungen, Netzhautablösung, Nierenerkrankungen, chronisches Nierenversagen, Schädigungen des vegetativen Nervensystems und anderes mehr.

Viele Ärzte ignorieren diese Zusammenhänge. Dies erklärt, weswegen sie den oralen Glukose-Toleranztest mit Insulinbestimmung kaum verschreiben, obwohl er sehr viel früher und aussagekräftiger als jeder andere Test eine Störung des Glukose-Stoffwechsels dokumentiert. Ebenfalls scheinen sie zu ignorieren, dass ein ständig erhöhter Insulinspiegel schwerwiegende vaskuläre und kardiovaskuläre Erkrankungen auslöst. Wie sonst könnten sie eine Insulintherapie verschreiben, ohne vorher geprüft zu haben, ob nicht ein ausgeprägter Hyperinsulinismus vorliegt, bei welchem noch mehr Insulin das Sterberisiko deutlich erhöht.

Bekanntlich verstärkt ein hoher Insulinspiegel den Fettaufbau und blockiert den Fettabbau. So müsste bei einem fettleibigen Patienten grundsätzlich überprüft werden, ob und wie stark er von Hyperinsulinämie-Insulinresistenz betroffen ist. Dies ist selten der Fall.

Mit den Forschungsergebnissen von Dr. Kraft sind die Richtlinien für eine kohlenhydratreiche, fettarme "gesunde Mischkost" für Diabetiker, welche die Internationale Diabetes Federation, die nationalen Diabetes Gesellschaften und die World Health Organisation propagieren, spätestens seit 1975 unhaltbar. Denn es ist der hohe Anteil an hochverarbeiteten zucker- und stärkereichen, zucker-fetthaltigen Speisen und die kurzen Zeitabständen zwischen den Mahlzeiten dieser mittlerweile globalisierten "westlichen" Standardernährung, welche Hyperinsulinämie mit Insulinresistenz antreiben und der Menschheit chronische Krankheiten in bislang unbekanntem Ausmaß bescheren. 

Die Pathogenese beginnt mit einer unscheinbaren Stoffwechselstörung, einer überschießenden, zeitverzögerten Insulinantwort auf Glukose, welche sich bei zucker- und stärkereicher Kost schleichend und unerkannt zu einer ausgeprägten Hyperinsulinämie mit Insulinresistenz auswächst, bei den Einen frühzeitig Fettleibigkeit aufbaut, bei anderen frühzeitig alle Blutgefäße schädigt, bei wieder anderen chronisch überhöhte Blutzuckerwerte verursacht. 

Wie viele Menschen, welche sich für kerngesund halten, sterben in relativ jungen Jahren an einem Herzinfarkt oder einem Gehirnschlag, weil ein ständig hoher Insulinspiegel ihre Blutgefäße angegriffen hatte? Es sind hunderttausende. Wer von uns ist sich über die schwerwiegenden Konsequenzen eines überhöhten Insulinspiegels bewusst? Ich war es die längste Zeit meines Lebens nicht. Mein Diabetologe ist es heute noch nicht, ihn interessieren allein die Blutzuckerwerte.

Dr. Kraft hatte früh erkannt, dass der Blutzuckerverlauf des Glukose-Toleranztests ohne Kenntnis des Insulinverlaufs wenig Aussagekraft hat und die beginnende Entwicklung von Diabetes in den meisten Fällen nicht diagnostiziert. 

So stellte er fest: "bei Vorträgen auf Herz-Kreislauf Kongressen werden kardiovaskuläre Erkrankungen als Risikofaktor für Diabetes bezeichnet. Die häufigsten Pathologien von Hyperinsulinämie mit Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, sind Athero-Arteriosklerose, Herz-Kreislauf Erkrankungen, Gefäßerkrankungen des Gehirns, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen und -versagen, Netzhautablösung, periphere und zentrale Neuropathien, erektile Dysfunktion. Diese Pathologien entstehen schon, wenn die Blutzuckerwerte im Normalbereich sind. Die Pathologien von Diabetes sind keine Risikofaktoren. Sie sind klinische Pathologien von Diabetes! Wenn Sie eine der Pathologien von Diabetes haben, sind Sie Diabetiker und zwar unabhängig von ihrem Blutzuckerstatus."

Es gibt kein Medikament, welches den Teufelskreis von Hyperinsulinämie und Insulinresistenz mit seinen fatalen Folgen verhindert. Dies schafft nur eine Ernährungsweise, für welche der menschliche Metabolismus geschaffen ist. Dies bedeutet kaum Zucker, wenig Stärke, moderat Eiweiß und viel natürliches Fett aus naturbelassenen, nährstoffreichen Lebensmitteln. Da hat Typ-2-Diabetes kaum eine Chance.

Bei einer leichteren und mittelschweren Hyperinsulinämie und Insulinresistenz (Muster 2 und 3 von Grafik 1) normalisieren sich überhöhte Blutzuckerwerte in der Regel allein mit einer LCHF-Ernährungsweise. Bei ausgeprägtem Hyperinsulinismus (Muster 4 von Grafik 1) hat der hohe basale Insulinspiegel immer Fettleibigkeit aufgebaut, nicht selten über Jahrzehnte. Hier reicht die Ernährungsumstellung allein oft nicht aus. Erst mit intermittierendem Fasten oder mit längeren Fastenkuren gelingt es, den hohen basalen Insulinspiegel nachhaltig abzusenken. Erst dann kann sich Fettleibigkeit abbauen, der manifeste Diabetes remittieren und die Risiken für schwerwiegende Gefäßerkrankungen zurückgehen. 

Etliche medizinische Labore bieten den oralen Glukose-Toleranztest mit Insulinbestimmung an. Dieser Test muss gut vorbereitet werden, z.B. muss man sich während der 3 letzten Tage kohlenhydratreich (300 g/Tag) ernähren, morgens nüchtern erscheinen und mindestens 3 Stunden für die Blutabnahmen einrechnen. Die gesetzlichen Krankenkassen ersetzen die Laborkosten von ca. 170 €  nicht.

Auf der Titelseite seines Buches "Diabetes Epidemic and You" fragt Dr. Joseph R. Kraft: "sollte sich jeder testen lassen?" Und gibt die Antwort: " Absolut nicht! Nur diejenigen, die sich Gedanken über ihre Zukunft machen!" 

Leider liegt dieses leicht verständlich geschriebene Buch von etwas über 100 Seiten nicht in deutscher Übersetzung vor. Dr. Kraft hatte diese Schrift 2008 im Alter von 88 Jahren herausgebracht, damit seine Forschungsergebnisse nicht vollständig in den Tiefen der medizinischen Archive verschimmeln. Was ihm gelungen ist.  


Website von Dr. Joseph Kraft http://www.diabetes-epidemic.com 

Video-Interview mit dem 95jährigen Dr. Kraft  https://www.youtube.com/watch?v=w0nV-_ddXoc#t=192

Die Limbach-Gruppe mit Sitz in Heidelberg bietet den Glukosetoleranztest 
mit Insulin an: https://www.limbachgruppe.com/fachbereiche/endokrinologische-diagnostik/





26.05.2016

Das amerikanische Paradox

Sie sind glücklich,
weil sie Speck essen



In der medizinischen Fachzeitschrift "The American Journal of Medecin" erschienen im März 1997 die Ergebnisse einer groß angelegten Ernährungsstudie unter dem Namen "Divergent Trends in obesity and fat intake Patterns: The American Paradox". Die Autoren, Heini und Weinsier, waren von den Ergebnissen ihrer Studie derart aus der Fassung gebracht, dass ihnen hierzu nur der Titel "das amerikanische Paradox" einfiel. Was war geschehen? Obwohl die Kalorienzufuhr der US-Amerikaner zwischen 1980 und 1990 um 4% gesunken war, der Fettkonsum sogar um 11%, hatte sich die Zahl der Fettleibigen in der Bevölkerung um 31% erhöht. Heini und Weinsier meinten, das unerwartete Ergebnis könne sich nur durch Bewegungsmangel erklären lassen. 

Doch auch hier konnte die Wissenschaft keinen positiven Zusammenhang nachweisen. Gerade ältere Menschen treiben heutzutage viel häufiger und intensiver Sport als 1960, als ein joggender 65-jähriger als Exzentriker galt. Trotzdem stieg seitdem der prozentuale Anteil der Typ-2-Diabetiker in Deutschland ab einem Alter von 65 Jahren von etwa 2% auf etwa 25% an und es vervierfachte sich der prozentuale Anteil von Fettleibigen in der deutschen Bevölkerung. 

Tatsächlich hat keine wissenschaftliche Studie je belegen können, dass Überernährung und Bewegungsmangel die epidemiologische Ursache für Fettleibigkeit und Diabetes sind. Trotzdem sind die meisten Ernährungssexperten und Ärzte der festen Überzeugung, man müsse nur weniger Kalorien zu sich nehmen und viel Sport treiben, um dauerhaft schlank zu bleiben und keinen Diabetes zu entwickeln.

Glücklicherweise gibt es aufgeklärte Ärzte und Laien, die nicht dem Trugschluss aufsitzen, dass der menschliche Metabolismus wie eine Dampfmaschine funktioniert. Sie wissen, dass Hormone unseren Stoffwechsel steuern und dass es oft dieselbe hormonelle Störung in der Verwertung von Kohlenhydraten ist, welche zu Fettleibigkeit, metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes führt. 


Der Teufelskreis:
Hyperinsulinismus und Insulinresistenz

Eine anhaltend hohe Konzentration von Insulin im Blut nennt sich Hyperinsulinismus. Er ist die Folge einer übermäßigen Insulinausschüttung nach dem Essen von stark kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln (Brot, Teigwaren, Kartoffeln, Reis, Süßspeisen, Obst, Fruchtsäfte, Limonade, Bier…). 

Bei Menschen mit gut funktionierendem Stoffwechsel produziert die Bauchspeicheldrüse gerade soviel Insulin, dass der Blutzuckerspiegel und der Insulinspiegel schnell auf das Normalniveau absinken. 

Bei immer mehr Menschen ist dieser Vorgang gestört; denn bei ihnen schüttet die Bauchspeicheldrüse nach zucker- und stärkereichen Mahlzeiten übermäßig viel Insulin zeitverzögert und längere Zeit aus. Wenn sie jetzt regelmäßig kohlenhydratreiche Mahlzeiten essen, pendelt sich ihr Insulinspiegel auf einem hohen Niveau ein. Hyperinsulinismus ist entstanden.

Die Veranlagung hierzu kann angeboren oder erworben sein. Hyperinsulinismus geht immer mit Übergewicht und erst recht mit Fettleibigkeit einher. Warum?

Ein hoher Insulinspiegel regt die Aktivität des Enzyms Lipoproteinlipase stark an. Dessen Aufgabe besteht darin, die Fette aus der letzten Mahlzeit zu mobilisieren und in Form von Triglyzeriden in den Fettzellen zu speichern, Lypogenese genannt. 

Unsere Leber speichert Glukose als Glykogen, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Ist der Glykogenspeicher gefüllt, wandelt die Leber ankommende Glukose in Triglyzeride um, welche nun ebenfalls die Fettzellen füllen.  

Gleichzeitig blockiert ein hoher Insulinspiegel die Aktivität des Enzyms Triglizeridlypase, welches für den Abbau der Fettzellen, die Lipolyse, zuständig ist.

Deswegen setzen Menschen mit Hyperinsulinismus sehr schnell Fett an und es gelingt ihnen mit wachsendem Alter immer seltener, es wieder abzubauen. Menschen mit einem niedrigen Insulinspiegel bleiben dagegen schlank, selbst wenn sie essen wie die Scheunendrescher.

Hyperinsulinismus verschlechtert die Insulinsensibilität der Körperzellen und führt zu Insulinresistenz. Die Insulinrezeptoren der Zellen verweigern sich hierbei dem Insulin und lassen die Glukose nur widerwillig in das Zellinnere ein. Darauf schüttet die Bauchspeicheldrüse noch mehr Insulin aus, um die Glukose in die Zelle zu zwingen, wodurch sich die Insulinresistenz verstärkt, welche wiederum den Hyperinsulinismus verstärkt. 

Ein Teufelskreis hat sich in Gang gesetzt, welcher zuerst zu Übergewicht, dann zum Metabolischen Syndrom (abdominale Adipositas, Fettleber, Insulinresistenz, Hyperinsulinismus, gestörte Glukosetoleranz, Bluthochdruck, überhöhte Blutfettwerte) und irgendwann zu manifestem Diabetes (chronisch überhöhte Blutzuckerwerte) führt.

Die meisten Ärzte ignorieren diese fundamentalen Zusammenhänge zwischen regelmäßigen zucker- und stärkereichen Mahlzeiten, Hyperinsulinismus und Insulinresistenz. Sie ignorieren, dass Typ-2-Diabetes, metabolisches Syndrom und Fettleibigkeit verschiedene Manifestationen derselben Ursache sind. Würden sie sonst ihren Patienten raten, sich sechs mal täglich und zu 50-60% mit Zucker und Stärke zu ernähren?


Die Entwicklung von Fettkonsum und Fettleibigkeit
von 1955-1990 in den USA: der Kosum von Fett
sinkt und Fettleibigkeit steigt.