29.07.2016

Zu viel Insulin im Blut

Diagnose:
Hyperinsulinismus mit Insulinresistenz

Ständig zu viel Insulin im Blut führt zu Fettleibigkeit, Gefäßerkrankungen, Typ-2-Diabetes. 

Ein zu hoher Insulinspiegel kann mehrere mögliche Ursachen haben. Meistens liegt es an unserer modernen Ernährung mit zu viel Zucker, zu viel Stärke und zu viel Zucker-Fett-Kombinationen, nicht zu vergessen zuckerhaltige Getränke. 

Insulin hat mehrere Aufgaben. Eine besteht darin, Glukose in unsere Körperzellen einzuschleusen. Eine andere besteht darin, die Umwandlung von Fett in Glukose in unserer Leber, die Glukoneogenese, anzuhalten. Wenn dies geschehen ist, speichert Insulin Glykogen in der Leber. Insulin veranlasst, dass Überschüsse von Glukose und Proteine in Fett umgewandelt werden, Novo Lipogenese genannt. 

Im Grunde signalisiert Insulin unserem Organismus, einen Teil der mit der Nahrung ankommenden Energie entweder als Glykogen oder als Fett zu speichern. 

Wenn der Insulinspiegel fällt, beispielsweise nachts während wir schlafen, geschieht das Umgekehrte. Der Körper gibt einen Teil seiner gespeicherten Energie aus der Nahrung wieder frei, um die den Zellen Energie zu liefern. Alles funktioniert bestens, wenn sich Perioden von Nahrungsaufnahme und Fasten in etwa ausgleichen.

Wenn der Insulinspiegel immer erhöht ist, versucht der Körper ständig Glykogen und Fett zu speichern. Da der Glykogenspeicher schnell gefüllt ist, beginnt recht schnell die Fettspeicherung. Die Leber exportiert das Fett in Form von Triglyzeriden zusammen mit Lipoproteinen sehr geringer Dichte zu anderen Organen und in die Fettzellen, den Adipoziten.

Adipoziten sind Zellen, die auf die Fettspeicherung spezialisiert sind. Viele Fettzellen sind an und für sich nichts Schlimmes. Fettzellen sollen Fett speichern, mehr nicht, davon wird man nicht krank. Anders sieht es jedoch aus, wenn man dort Fett speichert, wo es nicht sein soll.

Dies fällt zuerst in der Leber auf; denn diese ist nicht dazu da, um Fett zu speichern. Doch wenn Hyperinsulinämie und zu viel Zucker zusammentreffen, geschieht gerade dies. Glukose wandelt sich um in Fett und der Überschuss bleibt in der Leber in Form von feinsten Tröpfchen stecken, genannt Leberverfettung. Fett in den Adipozyten ist in Ordnung, Fett in der Leber nicht. 

Fettzellen produzieren das Hormon Leptin. Dies signalisiert unserem Gehirn "wir haben genug, hör auf zu essen". Doch wenn unsere Fettzellen ständig viel Leptin produzieren, nimmt unser Gehirn diese Signale kaum noch wahr. Dies nennt sich Leptinresistenz und sie hat sich bei allen fettleibigen Menschen ausgebildet.

Die Leber gibt sich alle Mühe, nicht noch mehr zu verfetten. Doch das viele Insulin gibt sich ebenfalls alle Mühe, noch mehr Fett in die Leber zu drücken, da es nicht mehr weiß wohin mit all dem neu ankommenden Fett. Die Leber sieht jetzt keinen anderen Ausweg, als das Insulin zu ignorieren, also insulinresistent zu werden, bevor sie im Fett erstickt. 

Währenddessen pumpt die Leber fleißig Fett in Form von Triglyzeriden in die Blutbahn, um es endlich los zu werden. Der Triglyzeridspiegel steigt an, ein klassisches Symptom für das Metabolische Syndrom. Wohin mit  dem vielen Fett aus der Leber? Zuerst ab ins Blut und dann ab in die Muskeln. Das nennt sich dann Muskelverfettung. Die Bauchspeicheldrüse kriegt auch einen Teil des Fettes ab. Das nennt sich dann Pankreasverfettung. Eine verfettete Bauchspeicheldrüse produziert weniger Insulin, um den Körper vor zu viel Insulin zu schützen.

Als Resultat steigt nun der Blutzuckerspiegel auf ständig zu hohe Werte an. Es manifestieren sich die typischen Symptome von Diabetes: ständiger Durst, häufiges Urinieren, Gewichtsverlust. Ab einem bestimmten Blutzuckerspiegel verlässt Glukose den Körper mit dem Urin. Jetzt hat es unser Organismus mit zwei Übeln zu tun, mit zu viel Insulin und zu viel Glukose im Blut. 

Fettleibigkeit, Insulinresistenz, hohe Blutfettwerte, Betazellen-Dysfunktion, all dies sind Schutzmaßnahmen des Organismus gegen dasselbe Übel: HYPERINSULINÄMIE.

Was machte mein Diabetologe, als er meine Blutanalyse vor Augen hatte? Stimmt, es waren katastrophale Werte: Nüchternblutzucker 450 mg/dL und Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c 13,7%. Bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte, hatte er seinen Rezeptblock gezückt, um mir Insulin zu verschreiben. 

Dies war vor 1 1/2 Jahren. Glücklicherweise hatte ich kurz vorher das Buch "Leben ohne Brot" von Dr. Wolfgang Lutz entdeckt. Statt Insulin zu spritzen, welches in meinem Fall gegen alle Schutzmechanismen meines Organismus verstoßen hätte, habe ich meine Ernährungsweise auf strikt kohlenhydratarm und fettreich umgestellt und damit meinen Blutzucker- und Insulinspiegel wieder in den Normalbereich absenken können. 

Obwohl der Pathologe Dr. Joseph Kraft und andere Forscher schon in den 1970er Jahren eindeutig bewiesen hatten, dass Hyperinsulinämie die treibende Pathologie von Fettleibigkeit, metabolischem Syndrom, Gefäßerkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen und manifestem Typ-2-Diabetes ist, ignorieren unsere Fachärzte diesen Zusammenhang noch heute. Sie vertreiben unbekümmert den Teufel mit dem Belzebuben, statt die individuelle Stoffwechsel-Situation ihres Patienten zu analysieren. Denn es gibt sie, die Testmethode, mit welcher sich feststellen lässt, ob ein Diabetiker zuviel oder zuwenig Insulin produziert. Es ist der orale Glukose-Toleranztest mit Insulinbestimmung nach Dr. Joseph Kraft (http://zuckerkrankwasnun.blogspot.fr/2016/06/die-diagnose-von-insulinresistenz.html

Was kann ich gegen Hyperinsulinämie tun? Ganz einfach: sehr wenig Zucker und Stärke, moderat Eiweiß und viel natürliches Fett in Form von Speisen aus naturbelassenen Lebensmitteln essen. Jede Speise, in welcher Zucker und Fett kombiniert sind, links liegen lassen. Fertigprodukte sehr genau auf ihre Zusammensetzung überprüfen. Nicht mehr als drei, besser nur zwei Mahlzeiten pro Tag essen, keine Zwischenmahlzeiten. Regelmäßig einen Fastentag oder 3-4 mal jährlich eine Fastenwoche einlegen. Mich nach meinen Möglichkeiten bewegen, ohne mich abzurackern. Das Leben mit Humor und guter Laune angehen. 

Eine Insulintherapie ist ohne Frage lebenswichtig, wenn die Betazellen der Bauchspeicheldrüse ihre Insulinproduktion fast oder ganz eingestellt haben. Ein Arzt, der seinem Patienten ohne eine dezidierte Analyse der Stoffwechselsituation Insulin verschreibt, handelt fahrlässig. 

Kommentare:

  1. Ein sehr lehrreicher Beitrag.
    Und es stimmt auch !
    Leider sind noch nicht alle Ärzte ausreichend aufgeklärt und empfehlen weiter die haarsträubende Ernährungsform der DGFE.
    Ich habe mich selber schlau gemacht und bin dankbar für solche blogs wie due einen betreibst.
    Aufklärung ist wichtig!
    Ich ernähre mich seit einiger Zeit LCHF und hoffe, dass ich ohne Medis meinen Blutzucker in den Griff bekomme. Metformin habe ich abgesetzt bei einem HBa1c-Wert von 6,8.
    Ich hoffe, ich bin auf dem richtigen Wert.
    Etwas Sorge macht mir der nächtliche Wert.
    Der ist meiner Meinung nach immer zu hoch, morgens oft so um die 13o !
    Vielleicht sollte ich doch vor dem schlafen gehen eine Tbl. einnehmen.
    Hast du vielleicht einen tipp ?
    Es grüßt
    Jutta

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    1. Auch bei mir ist der morgendliche Blutzucker oft zu hoch. Dies liegt an der bei uns immer noch recht hohen Insulinresistenz der Leber und daran, dass andere Hormone (Wachstumshormon z.B.) in den frühen Morgenstunden aktiv werden. Im Laufe der Zeit wird sich der morgendliche Blutzucker mit einer strikten LCHF-Ernährung verbessern. Gerade auch intermittierendes Fasten und Fastenkuren verbessern die Insulinresistenz der Leber. Du wirst sehen, mit der Zeit wird sich dein HbA1c-Wert verbessern und sicherlich unter 6,5% wenn nicht 6% sinken. Dieser Wert ist wichtig und natürlich ein niedriger Insulinspiegel, den man leider nicht einfach messen kann. Kein Grund, sich Sorgen zu machen.

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  2. Ich mache seit April 2016 LCHF, weil ich nach normalen Mahlzeiten einen BZ von 175 hatte und einen NüchternBZ von 146. Hatte probehalber gemessen,weil ein naher Verwandter Diabetes 2 hatte und ich mich seit einiger Zeit sehr erschöpft und krank fühlte. Jetzt mit LCHF geht es mir wesentlich besser,Werte 120 - 140 nach Mahlzeiten,HBA1 rechnerisch aus den Werten ermittelt bei 6.Mein Arzt kennt den Verlauf (persönlicher Freund), versteht nicht ganz was ich da mache, aber ich soll so weiter machen :), er hat mich vor einer Woche seit längerem wieder gesehen und bemerkte gleich den besseren Zustand. Gewicht minus 21 kg. Labor lasse ich jetzt noch machen. Zum hohen NüchternBZ: scheint bei mir durch nächtliche Glucoseausschüttung der Leber bei absinkendem BZ zu kommen. Jetzt experimentiere ich direkt vor dem Schlafengehen mit etwas Eiweiss (z.Zt. noch einen halben Proteinshake mit 15 g Aminosäuren aus verschiedenen Quellen,
    da reines Molkeprotein(Whey) insulinogen sein soll mit Ballaststoffen (Chia) und etwas KH (z. Zt.ein bis zwei Stückchen angeblich zuckerfrei konservierter Ingwer - ist aber süss, was immer das verursacht) sowie 1 EL Kokosöl (eigentlich fraktioniertes Kokosöl = MCT Öl) das gleiche soll aber ebenso gut funktionieren mit Vollkornbrot (Ballast und KH) mit ordentlich Butter(verlangsamte Resorption), vielleicht etwas Käse dazu. Damit wird das Absinken des BZ über Nacht und die überschiessende Gluconeogeogenese am Morgen gedämpft. Wenn ich das mache, habe ich einen NüchternBZ von 110,im Gegensatz zu sonst 126 bis 130.Ich wache auch nicht mehr um 4 :00 Uhr auf,vorher fast regelmässig.
    Ich bevorzuge immer mehr natürliche Lebensmittel, deshalb werde ich heute abend mal ein halbes oder ganzes Ei mit selbstgemachter Mayonnaise und meinem geliebten Ingwer testen, evtl. auch stattdessen ein kl.Stückchen Vollkornbrot.
    Ich bin noch in der Experimentierphase, aber die Richtung scheint zu stimmen, was ungestörten Schlaf und NüchternBZ angeht.
    LG CJH

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